der Traveller
Thomas Stern

 

Bewusster leben...

 

Bevor Du etwas sagst...

... sei dir bewußt, daß dein Gegenüber nicht einfach nur so ein Mensch ist, sondern ebenso ein fühlendes Wesen ist, auch wenn es ihm, dem Wesen, nicht immer so bewußt sein mag.

Die materielle Ausrichtung macht auch vor dem Miteinander keinen Halt und so nehmen wir andere Menschen unbedacht primär in ihrer körperlichen Erscheinung war. Wir registrieren Größe, Aussehen, etc., was wir jedoch nur zu leichtfertig nicht sehen oder wahrnehmen, ist, daß es sich dabei um ein fühlendes Wesen handelt, welches auf jede noch so kleine Schwingung reagiert.

Schwingungen entstehen unter anderem durch unsere Worte, denn sie sind nicht einfach nur aneinandergefügte und gesprochene Buchstaben, sondern haben eine eigene Energie, die auch zusätzlich von dem der sie spricht geprägt wird. Das bedeutet, daß ein und dasselbe Wort im Zustand der Freude oder im Zustand von Mißstimmung eine unterschiedliche Prägung erhält.

Wir erleben es tagtäglich, wie Worte auf uns einprasseln und unterschiedliche Reaktionen hervorrufen, in uns unterschiedliche Gefühle erzeugen. Viele dieser Gefühle werden gar nicht bewußt wahrgenommen, anders bei denen, die in ihrer Reaktion eher heftiger sind, also Zuneigung oder Ablehnung. Ein kurzer Talk in der Cafeteria, im Fahrstuhl, auf dem Flur, oder wo auch immer und wir gehen wieder auseinander. Zurück bleiben die Gefühle danach, wobei es manchmal nur ein Wort ist, was uns dann noch Minuten oder gar Stunden beschäftigt. Der Auslöser, der ist schon lange außer Sichtweite, aber seine erzeugten Schwingungen zeigen immer noch Wirkungen. Wohl an, wenn sie uns ein angenehmes Gefühl beschert haben, oh Graus, wenn sie uns verletzt haben.

Wie oft wird so manches gesagt, was vorher nicht bedacht oder wohl überlegt wurde und bei dem anderen ein ungutes Gefühl hinterläßt. Zu gern bedient sich das Ego einer Strategie, die es sich selbst gern als Überlegenen sieht, auf Kosten des anderen. Ein kleiner unbedachter Scherz hier, eine unüberlegte Bemerkung da und schon ist das Ego in seinem Element der Selbstbefriedigung. Es ja nicht einmal so, daß wir es mit purer Absicht tun, vielmehr steckt dahinter eher eine Gewohnheit. Diese Gewohnheit zeichnet sich dadurch aus, stets als Sieger, als Überlegener aus einer Begegnung hervorgehen zu wollen. Da es vielen gar nicht bewußt ist, sind sie quasi Sklaven ihres Egos und funktionieren nur noch passiv. Würde man sich dessen nun bewußt sein, so kann man sich aktiv einschalten und diesem Treiben ein Ende setzen, sprich dem Ego das Ruder aus der Hand nehmen und wirklich eigenverantwortlich die Regie übernehmen.

Was könnte jemanden nun veranlassen die Regie zu übernehmen, bewußt die Verantwortung zu übernehmen für das was gesagt wird, bevor es gesagt wird? Nun, es könnte die freie Entscheidung sein, ein gut handelnder Mensch sein zu wollen, anderen kein Leid zufügen zu wollen, bewußtes Streben nach Harmonie mit allem, den eigenen inneren Frieden wahren zu wollen, den anderen als fühlendes Wesen wahrzunehmen, dem Ego Einhalt zu gebieten, um wahrhaftig zu sein und was wohl am gewichtigsten ist, dem Wesen der Liebe nahe zu kommen. Kurz gesagt Mitgefühl.

Liebe und Mitgefühl vertragen sich nicht mit Sarkasmus, Witzeleien und Maskeraden, sie folgen einer wahrhaftigen authentischen Kommunikation über das was wirklich ist und was gefühlt wird.

Das Drama ist jedoch, das es kaum einer gewohnt ist, ehrlich zu dem anderen zu sein, ich meine zu sagen was man wirklich denkt und fühlt. So erlebe ich immer wieder, wie Menschen, denen ich sage, dass ich sie mag oder das sie ein wunderbarer Mensch sind, darauf irritiert reagieren, ja mitunter sogar überrascht sind, so etwas zu hören. Ist das nicht traurig? Die Menschen sind es schon so gewohnt sich nicht nur zurückzuhalten, sondern sich auch etwas vorzumachen. Sie witzeln lieber herum, statt Gefühle zum Ausdruck zubringen. Sie sind lieber sarkastisch, um sich dahinter verstecken zu können. Sie haben Angst, regelrecht Angst sich zu zeigen, wer sie denn wirklich sind. Paradoxer Weise wollen sie das eigentlich gar nicht, sie wünschen, nein manche schreien sogar im Stillen danach, so angenommen zu werden wie sie sind und so sein zu dürfen wie sie sind und fühlen. Doch wie gesagt, das Drama ist eben, sie tun es nicht und verstecken sich, nehmen sich zurück und nicht selten werden dadurch Worte gesprochen, die beim anderen verletzend ankommen. Ist ja auch kein Wunder, wenn so viele lieber sarkastisch sind und dumm daherwitzeln. Da geht es nicht mehr um ein wahrhaftiges Miteinander, geschweige denn um authentischen Austausch, sondern nur noch darum möglichst viele Lacher zu erzeugen, wobei der eine oder andere danach trachtet, den besten Lacher zu erzielen.

Ich selbst durchbreche dieses unangenehme Spiel, indem ich lieber schweige und mir deren Treiben anschaue, vor allem die Gesichter, die die Wahrheit zeigen. Es ist mitunter zu beobachten, dass hinter manchem Gesicht sogar Traurigkeit liegt, im Dunkeln, im Verborgenen, unbeachtet und mit keinem tröstenden Wort bedacht. Tja, und wenn die Menschen dann wieder auseinander gehen, dann fallen die Vorhänge, bzw. die Masken und jedes eben noch aufgesetzte Lachen ist verschwunden, dafür zeigen sich wieder fade Gesichter, die sich durch die Strassen schleppen. Vielleicht mit dem Gedanken, warum kann es nicht auch mal anders sein. Es könnte und es kann, doch dafür muss man/Frau auch etwas tun, den Mut aufbringen authentisch zu sein, egal wie die Reaktionen ausfallen. Lieber ernte ich verwirrte Gesichter bis hin zu Spott und Hohn, die auch nichts anderes sind als ein Schutzmantel, als das ich mich selbst verleugne und verrate. Denn eines ist gewiss, wenn ich nicht ich sein kann, dann werde ich verrückt. Ironischer Weise werde ich das auch des Öfteren dafür gehalten, doch nicht weil ich’s bin, sondern weil sie es sind und es nicht erkennen.

Deswegen sollte darauf geachtet werden, bevor man etwas zu jemandem sagt, ob es sinnvoll ist, ob es ehrlich gemeint ist, ob es authentisch ist und auch förderlich für den anderen. Die Menschen könnten wesentlich weiter in ihrer persönlichen Bewusstseinsentwicklung sein, würden sie dem nur mehr Beachtung schenken und auch danach leben. Worte würden nicht mehr unbedacht gesprochen werden, niemand würde verletzt werden. Kein Sarkasmus, keine unangebrachten Witzeleien auf Kosten anderer, keine Show der Maskeraden, nur noch wahrhaftiges Miteinander, um andere und sich selbst zu fördern, zu unterstützen, zu inspirieren in der Persönlichkeitsentwicklung, in der Bewusstseinsentwicklung zum Wohle aller.

aus dem Talmud:

Achte auf Deine Gedanken, denn sie werden zu Worten.

Achte auf Deine Worte, denn sie werden zu Handlungen.

Achte auf Deine Handlungen, denn sie werden zu Gewohnheiten.

Achte auf Deine Gewohnheiten, denn sie werden Dein Charakter.

Achte auf Deinen Charakter, denn er wird Dein Schicksal.

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Erfolg bei der Umsetzung auf Deinem Weg zu einem achtsamen Menschen, denn die Welt braucht achtsame Menschen wie Dich, um sie in ein Paradies für jeden und alles zu wandeln.

* * *

In Liebe

der Traveller

 

Februar 2007, überarbeitet März 2011

 

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