der Traveller
Thomas Stern

 

Gedanken über ...

                                                          

Amoklauf von Schülern und Gewaltspiele

Jüngste Ereignisse entfachen nun erneut die Diskussionen über Gewalt an Schulen, extrem gewalttätige Videospiele und die große Schuldfrage, sowie nach dem warum.

Zunächst glaube ich, daß niemand wirklich Schuld hat, denn jeder tut das, von dem er meint es sei das Richtige, entweder für das Allgemeinwohl, für ihn Selbst oder zu einem anderen Nutzen. Die meisten Entscheidungen fallen jedoch zugunsten des Eigennutzes aus. Eine Schuldfrage gibt es in sofern nicht, da jeder für das was er tut selbst verantwortlich ist. Ergo müssen die Ursachen oder das Warum woanders gesucht werden. Und dabei stellt sich bei klarer Betrachtung schnell heraus, das es die Gesellschaft selbst ist, die das hervorbringt, was sie hervorbringt. Wen will man also als Schuldigen anprangern?

Wir alle sind nicht schuldig, aber mitverantwortlich!

Das was wir unseren Kindern vorleben, so wie wir uns verhalten in der Öffentlichkeit, im Arbeitsbereich oder sonstwo – (fast) immer schaut einer zu und lernt oder macht es nach, weil er sich daran orientiert. Das heißt im Klartext, jeder einzelne von uns trägt seinen Teil dazu bei, wie und womit wir das gestalten, woran andere sich orientieren.

Da gibt es die “kleinen” Orientierungspunkte und die “großen”, woran sich ein ganzes Volk orientiert. Das kollektive Zusammenwirken ergibt dann das Große, aus dem alle schöpfen können. Desto mehr Menschen nun ähnlich gelagerte Ansichten vertreten, für die gleichen Ideale eintreten oder dem auch nur stillschweigend zustimmen, desto eher wird sich das “Große” zum Wohl oder Un-Wohl einer Nation entwickeln. Und weitergedacht wirken die einzelnen Nationen auch wiederum zusammen und ergeben ein “Großes”, das aus dem All betrachtet entweder so oder so beurteilt wird. Bei dem heutigen Entwicklungsstand mag das wohl auch der Grund sein, warum sich höher entwickelte Wesen scheuen “uns zu besuchen”.

Doch nun wieder zurück zur Erde, nach Deutschland, wo innerhalb von wenigen Jahren drei Aufsehen erregende Amokläufe von Schülern begangen wurden.

Was bringen nun Bestrafungen und Verbote?

Wenig bis gar nichts! Zwar mögen sich nun wieder die Politiker reihenweise vors Mikrofon stellen und sagen etwa: Wir müssen ein Verbot für Gewaltspiele schaffen!

Doch das ist ziemlich dummes Zeugs, was da gefordert wird. Als ob solch Verbote Amokläufe verhindern könnten. Es gab auch schon Amokläufe von Schülern als es noch keine Videospiele gab. Es gab Vergewaltigungen und Kindesmißbrauch bevor es Fernseher und Internet gab.

Ergo wirkt ein Verbot von Hause aus schon nicht, doch wer denkt darüber schon nach? Es wird den Videospielen eine Teilschuld angelastet und schon ist Ruhe im Land. Jetzt muß man nur noch die Bürger dafür gewinnen und schon fragt keiner mehr nach den wirklichen Ursachen, denn es hört ja auf, wenn keine Gewaltspiele mehr verkauft oder gar produziert werden dürfen, oder?

Einem Politiker, der nach Verboten schreit, geht es doch eigentlich nur um Sympathiepunkte. Oder glaubt jemand wirklich, er würde damit ein Ideal vertreten? Und wenn ja, welches wäre es?

Nein, Verbote bringen nichts, sie schüren nur noch mehr. Denn wem ist es nicht vertraut, die Verlockung des Verbotenen ... ? Wollen wir mal einen Blick in die Videotheken werfen oder in den Sex-Läden und auf die Masse der “anonymen” Surfer im Internet? Da sehen wir die, die den Verlockungen erlegen sind. Und es sind nicht wenige ...

Mit Verboten wird auch einfach mal gerne die eigene Verantwortung weggeschoben – dieses mal sind es die Gewaltspiele. Ich meine, wie sollte ein Politiker sein? Wird er nicht in einer Demokratie vom Volk gewählt, um die Stimmen des Volkes, seiner Wähler-Innen zu vertreten und mehr noch um das Volk zu schützen, es vor Gefahren zu bewahren und für das Wohl eines JEDEN EINZELNEN zu sorgen? Und in wieweit kommen sie nun ihrer Verantwortung dem Volk gegenüber nach?

Ein guter Politiker würde von wahren Idealen und Werten geleitet werden, die dem Wohle des Volkes, dem er dient, zukommen, oder habe ich da etwas falsch verstanden zum Thema Demokratie und Volksvertreter?

Statt der Verbote wäre es angemessen sich dem eigentlichen Problem zu widmen, nämlich dem traurigen Umstand, das es in unserer Gesellschaft so gut wie keine wirklichen geistigen Führer gibt, die auch die breite Masse erreichen oder von der sich die breite Masse erreichen lassen will. Was ich damit sagen will ist, ich vermisse das wirkliche Vorleben von Anstand, von Achtung und Respekt gegenüber den Mitmenschen und überhaupt dem Leben, sprich allem was dazugehört wie die Umwelt, der Umgang mit Tier- und Pflanzenwelt.

Die Verrohung bei uns ist doch nur der Spiegel dessen, was tagtäglich in den Schlachthäusern abläuft, was uns tagtäglich im TV begegnet und der Umstand, daß so gut wie jede Nachrichtenagentur darum bemüht ist, die besten und damit die schrecklichsten Bilder aus Kriegsgebieten, von Katastrophen, Unfällen und eben auch Amokläufen zu senden oder auch von Schändungsopfern, etc..

Warum ist das so? Giert die Mehrheit wirklich nach solchen Bildern? Oder ist der Höhepunkt der Negativ-Programmierung noch nicht erreicht? Wenn nicht, dann dürfte noch einiges auf uns zukommen. Und da die Geschichte den Menschen lehrt, daß sie ihn eigentlich nichts gelehrt hat, wird es wohl noch schlimmer kommen ...

Die Hoffnung

Der einzig wirklich wirksame Ansatz ist der Wandel im Geiste. Wandel durch Einsicht ist immer möglich, für jeden! Es muß also etwas angestrebt werden, was von dauerhaftem Bestand ist und letztlich zur Heilung führen wird – der kollektive geistige Wandel.

Dem Menschen müssen geistige Alternativen nahe gebracht werden, mittels derer er selbständig sein bisheriges oder zukünftiges Verhalten hinterfragen kann und damit ja dann auch seine Geisteshaltung. Mit Verboten kommt man da nicht weit, jedoch mit der Wahrheit über die Dinge wie sie sind und welche Auswirkungen sie haben.

Schlägt ein Kind ein anderes, so nützt es meist wenig ihm zu sagen, es solle es unterlassen, es täte dem anderen weh. Denn das ist doch genau der Grund, warum das Kind zugeschlagen hat, um dem anderen Kind weh zutun! Wahrscheinlich hat es dann auch noch nie gehört, daß alles was wir anderen antun nur uns selbst antun, respektive wurde es diesem Kind nicht ausführlich erklärt. Wie auch, wenn nur ein verschwindend kleiner Bruchteil der Menschen wirklich weiß, was es bedeutet. Die Zusammenhänge von Ursache und Wirkung sind hier mal wieder angesagt. Aber wo bitte schön wird es gelehrt? Ein möglicher Ort wären die Schulen, doch wo sind die Lehrer, die genau das vermitteln könnten? Wann hat ein Politiker gefordert, daß wir wieder zu unserer wahren Natur zurückkehren müssen, die nichts mit destruktivem Konsumverhalten, Machtmißbrauch, Schändung, Unterdrückung, Ausbeutung, Zerstörung des eigenen Lebensraumes und Kriegführung zutun hat? Wann hat das Volk danach geschrien? Es sind stets nur einzelne Stimmen, weil die Breite Masse immer noch nicht wirklich aufgeklärt, dafür aber völlig verklärt ist. Jeder hat seine Entscheidung selbst getroffen, entweder mit dem Strom zu schwimmen oder ans Ufer zu gehen, um inne zu halten, sich zu besinnen und somit den geistigen Wandel einzuleiten.

Die große Hoffnung kann also nur ein kollektiver geistiger Wandel sein, der dann seinem Charakter nach eine neue Gesellschaft hervorbringt, die keine Verbote braucht, sondern wenn dann höchstens Gebote, für deren Befolgung sich jeder frei entscheiden kann. Und ich bin sicher, daß in einer Gesellschaft, deren kollektiver Geist zunehmend auf das Wohl allem Lebendigen gegenüber ausgerichtet ist, es auch keine Amokläufe mehr geben wird. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg und jeder von uns entscheidet mit, wie sich dieser kollektive Weg gestalten wird. Die Verantwortung liegt also nicht in den Händen der Volksvertreter, sondern beim Volk selbst.

Es gibt viele Wege, um einen Wandel einzuleiten

Wie heißt es so schön: Sei Du die Veränderung, die du sehen willst.

Hast du genug von gewalttätigen Bildern?

Dann schau nicht mehr hin. Ignoriere die Nachrichten und Printmedien. Die Energie folgt der Aufmerksamkeit und je weniger Aufmerksamkeit die Greul-Nachrichten bekommen, desto eher die Wahrscheinlichkeit, das sie immer seltener gesendet oder berichtet werden, da sich kaum noch jemand dafür interessiert – es niemand mehr sehen oder hören will.

Regst du dich über die heftigen Reaktionen anderer auf?

Dann bleibe selbst ruhig in ähnlicher Situation. Halte inne im Konfliktfall und überdenke die ganze Situation in Ruhe, bevor du nur re-agierst, könntest du dann neu agieren und eine Wende herbeiführen.

Willst du Frieden im Lande, in der Stadt, auf der Straße?

Dann sorge für Frieden im eigenen Heim. Der Unfrieden zu Hause wird schnell nach außen getragen, also heißt es an der Wurzel beginnen. Friede im Heim als Basis für Frieden in der Welt. Sicher mag es wie Utopia klingen, doch wir können Utopia wahr werden lassen, wenn wir es nur wirklich wollen.

Willst du das es weniger Gewaltbereitschaft gibt?

Dann werde zum Beispiel Vegetarier und mach den Anfang vom Ende der Schlachthäuser, denn solange es Schlachthäuser gibt, gibt es auch Schlachtfelder. Wie Gandhi schon sagte, beginnt die Gewalt bereits beim Frühstück. Zwar mag Salami und Co lecker aussehen auf dem Brötchen, doch bis sie auf dem Tisch gelangt sind, vollziehen sich unvorstellbare Greueltaten an den Tieren, auch wenn wir es nicht sehen oder hören – im “Hintergrund” ist der Holocaust (steht für das organisierte und mechanisierte Töten von Mitlebewesen!) für die Tiere alltäglich.

Willst du das wirklich etwas geschieht, sich wirklich etwas verändert?

Dann steh auf und tu etwas, egal ob im kleinen oder großen Rahmen, aber tu etwas und schau nicht immer nur zu. Die erste Reihe mag zwar bequem erscheinen, wo es sich so gut durchs Leben zappen läßt, doch um welchen Preis?

Veränderung ist möglich, immer und überall. Es liegt einzig an uns selbst wie sehr und in welchem Maße sie sich vollzieht. Jeder noch so kleine Schritt in eine heilere Welt ist ein Schritt, dem anderen folgen werden. Kleine Schritte mit großer Wirkung.

So wie wir heute auf die Roheit des Mittelalters zurückblicken, so wird man eines Tages auf die Roheit des 20./21. Jahrhunderts schauen und sagen, daß die Menschen damals ihre Tiere in organisierter und mechanisierter Weise getötet und verzehrt haben. Man wird sich fragen, wie die Menschen so etwas nur tun konnten, wußten sie denn damals nicht welch verheerende Auswirkungen es hat. War ihnen das Gesetz von Ursache und Wirkung nicht bekannt gewesen und ebensowenig die Tatsache, das alles mit allem verwoben ist? Anscheinend nicht ... Und zur Erinnerung die Worte eines Menschen, der noch kein TV, Radio oder Internet kannte:

”Alle Dinge gehören zusammen. Nicht die Menschen haben das Netz des Lebens gewoben. Wir sind nur ein dünner Faden darin. Was wir dem Netz antun, das tun wir uns selbst an. Alle Dinge sind miteinander verbunden. Alle Dinge gehören zusammen.”

Häuptling Seattle (1780-1866) vom Stamme der Duwamish

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der Traveller

                                     November 2006

 

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