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Begegnungen
Besuch beim Traveller / Gespräche mit einem wiederkehrenden Gast
1. Konsumverzicht
Inzwischen lebe ich seit 10 Jahren OHNE Kühlschrank! Was sich heutzutage kaum jemand vorstellen kann. So war es denn auch stets eine amüsante Frage derer, die zum ersten mal bei mir waren. Aber bitte lies selbst ...
Gast: Wo ist denn der Kühlschrank?
Ich benutze keinen und benötige auch keinen!
Gast: Ja aber wie machst du das denn mit den Lebensmitteln?
Nun, zum einen kaufe ich stets für den jeweiligen Tag ein und zum anderen ernähre ich mich rein vegetarisch, ergo brauchen Obst + Gemüse auch nicht gekühlt werden, um es frisch zu halten. Das meiste kann tagelang liegen, ohne das es verderben würden. Bei Fleisch ist das anders, das setzt schon binnen weniger Minuten Fäulnisbakterien an, deshalb muß es auch gekühlt werden, wenn es nicht gleich verzehrt wird. Da ich kein Fleisch verzehre, brauche ich auch keinen Kühlschrank.
Gast: Und was ist mit Milch, Joghurt + Käse?
Esse ich alles nicht, weil es nicht vegi ist, sprich nicht pflanzlich!
Gast: Aber Getränke wirst du doch zu dir nehmen?
Ja, Wasser, Tee und Cafe. Na ja, hin und wieder auch gerne mal einen guten französischen Rotwein. Ansonsten jedoch keine Säfte oder Mixgetränke, etc. ist doch eh alles nur Zuckerwasser mit Geschmack, genau wie Joghurt, oder glaubst du da sind tatsächlich Erdbeeren drin? Rechne doch mal selbst, wie viel Erdbeeren es geben müßte, bei der massenhaften Produktion von Erdbeerjoghurts und ähnlichem. Das sind Pilzkulturen, die nach Erdbeere schmecken.
Ach, wegen Getränke, möchtest Du einen Cafe?
Gast: Ja gerne!
Dann laß uns in die Küche gehen, dort können wir weiterreden. (setzt das Wasser in einem Metallkessel auf)
Gast: Sag, hast Du auch keine Kaffeemaschine?
Nö! Wozu? Ich tue den Cafe direkt in die Tasse und gieß kochendes Wasser darauf und nach 15 min. ist er soweit abgekühlt, das man ihn trinken kann, ohne sich die Zunge zu verbrennen. Eine Kaffeemaschine erfordert Pflege, also Zeitaufwand und verbraucht Energie, sprich Strom. Also warum sollte ich den Aufwand betreiben und Energie verbrauchen, wenn sich der Cafe auch so machen läßt? Zudem muß ja auch noch die Kaffeemaschine hergestellt werden, was wiederum Materialien verbraucht, sprich Ressourcen, das ist nicht gut für Mutter Erde.
Gast: Hm, verstehe! Du reduzierst also nicht nur den Energiebedarf, sondern schonst auch noch die Ressourcen. Aber eine Kaffeemaschine ist doch etwas alltägliches?
(lacht) Du mußt es in größerem Maßstab betrachten. Ich lebe hier in Berlin, einer Stadt mit knapp 4 Millionen Menschen, laß es der Einfachheit halber 500.000 Haushalte sein, die ebenso viele Kaffeemaschinen benutzen und das mal dem Energieverbrauch, sowie dem Materialaufwand. Kannst Du dir 500.000 Kaffeemaschinen auf einen Berg geschichtet vorstellen? Da kommen enorme Mengen zusammen an Metall und Kunststoffe.
Gast: So habe ich das noch nie gesehen!
Und nun denk mal weiter, in Deutschland leben 80 Millionen Menschen, laß es wiederum 20 Millionen Haushalte sein. Das sind dann schon beinahe astronomische Zahlen an Gewicht und Volumen von Metall, Kunststoffen, sowie dem Energieverbrauch. Möchtest Du einen Keks?
Gast: Oh ja bitte. Hm, lecker! Etwa auch pflanzlich?
Aber ja doch! Ist aus Dinkelmehl, nur die Verpackung ist halt Kunststoff. Irgendwann will ich sie selber backen.
Gast: Hast Du etwas Milch für den Cafe bitte? Ach verzeih, ich vergaß, Du trinkst ja keine Milch. Etwas anderes vielleicht, Pulver oder so?
Ich kann dir Soja-Milch anbieten, du wirst den Unterschied kaum schmecken, im Gegenteil, es wird eine neue angenehme Erfahrung für Dich werden. Möchtest Du?
Gast: Ja bitte. Danke sehr. Ich sehe hier nur ein paar einfache Holzbretter, auf denen ein paar Tassen stehen, Deine Teller, sowie diverse Tee, den Cafe und anderes. Wirklich ungewöhnlich, eine Küche ohne Küchenschränke. Ich weiß schon, Ressourcen und anderes, stimmt´s?
(grinst) Ah, ich merke, Du lernst schnell. Ja, es stimmt, wozu sollte ich mir Schränke hinstellen oder an die Wand hängen, deren Kapazität ich eh nicht voll nutzen könnte, noch dazu wo das bearbeitete Holz diverse Chemikalien enthält, die sich frei setzen und die Atemluft beeinträchtigen, abgesehen von der Ressourcenverschwendung, auch bei Echtholzschränken. Weißt Du, um die ganzen Küchenschränke herzustellen, werden Unmengen an Holz verbraucht, weiterhin wird sehr viel Wasser verunreinigt, Fabriken gebaut und dort arbeiten Menschen wie Roboter, die nach vielen Jahren körperlich geschwächt sind und oft mit Gebrechen den Job aufgeben müssen. Und all das nur, damit die wenigen wirklich notwendigen Gebrauchsgegenstände gut verstaut sind? Nein danke, daran möchte ich mich nicht beteiligen.
Gast: Aber wenn keine Küchenschränke + Kaffeemaschinen produziert + verkauft werden schadet es doch der Wirtschaft.
Was ist denn Wirtschaften? Ich meine, es ist der sorgsame Umgang mit dem, was da ist, ohne dabei etwas zu produzieren, was nicht notwendig ist und somit sich selbst eines Tages das Wasser abzugraben wie man sagt. Denn wenn kein Holz mehr da ist, können auch keine Küchenschränke mehr produziert werden, ebenso müssen die Produkte ja auch irgendwann entsorgt werden, weil sie alt und untauglich geworden sind. Wohin dann mit all dem? Zurück an Mutter Erde? Die will das Zeug auch nicht mehr, zumal Metall, Kunststoffe, Kabel und Chemikalien nicht verwertbar sind, sondern ihr nur schaden zufügen. Daran krankt dann die ganze Natur, die uns eigentlich ernährt! Ergo stellt sich die Frage, wem dient die Wirtschaft, von der Du sprichst? Wenn Du genau hinschaust, dann ist es eine inszenierte Selbstzerstörung. Da werden Dinge produziert, die dem Menschen angeblich das Leben erleichtern sollen, und da der Mensch von Hause aus bequem ist, ist er leicht zu überreden sich dieser Produkte zu bedienen, sprich er konsumiert. Um jedoch den Konsum zu finanzieren, braucht er einen Arbeitsplatz, der ihm das nötige Geld einbringt für den Konsum. Also werden Arbeitsplätze geschaffen, die noch mehr Konsumgüter produzieren, weil inzwischen jeder eine Kaffeemaschine haben will und so setzt es sich immer weiter fort, verstehst Du? Da kommt eins zum anderen, erst die Kaffeemaschine, dann der Mixer, die Salatschleuder, der Wasserkocher, u.s.w. und wir sind jetzt nur im Küchenbereich. All die Dinge kann sich kaum einer auf einmal kaufen, also leiht man den Konsumenten Geld, sprich Kredite für Einrichtungen, Auto, sogar für Urlaub. Das ist ganz schön raffiniert ausgedacht, denn so bindet man die Menschen für lange Zeit an ihren Arbeitsplatz, damit sie die fälligen Kreditraten zahlen können. Dabei wäre es soviel einfacher, man würde nur soviel arbeiten, wie man für Lebensmittel und das notwendigste braucht. Dann hätten die Menschen viel mehr Zeit für sich selber und ihren Familien, sie würden weniger gestreßt sein, weniger krank werden und überhaupt wesentlich zufriedener mit sich und allem anderen. Denn nur wer zufrieden ist, kommt auch nicht mehr auf den Gedanken dem anderen etwas zu neiden und sogar Kriege zu entfachen. Verstehst Du die Tragweite all dessen?
Gast: Puh, ich bin sprachlos!
Nicht ganz, du sagst ja etwas. (lacht freudig)
Gast: Nein, äh ja, ich meine ... das war jetzt ganz schön ... ich weiß nicht, wie ich´s sagen soll ...
Aufwühlend?
Gast: Ja, total. Ich bin beschämt und weiß nicht so recht, was ich sagen soll ... was ich tun soll.
Nun, vielleicht trinkst Du den Cafe, bevor er kalt wird. ... Aber laß mal, diese Reaktion war zu erwarten, denn wer macht sich heutzutage noch die Mühe überhaupt darüber nachzudenken, wo was herkommt, wie und unter welchen Bedingungen etwas hergestellt wird, wer der eigentliche Nutznießer ist und welche Folgen das alles hat. Geht es Dir jetzt wieder besser?
Gast: Ja, danke, der Cafe mit Sojamilch schmeckt wirklich gut! Ich glaube für heute reicht es erst einmal, ich muß das alles in Ruhe verdauen. Doch ich würde Dich gerne bald wieder besuchen kommen, es war schön bei Dir und das Gespräch hat mir vieles bewußter gemacht. Ich danke Dir dafür.
Ich danke Dir für deinen Besuch und daß Du mir Gesellschaft geleistet hast. Hat mich wirklich gefreut. Du bist mir jederzeit Willkommen. Ruf einfach an und wir verabreden uns, meine Buschtrommel muß neu bespannt werden, deshalb per Telefon bitte.
Gast: Das ist jetzt aber ein Scherz, oder? (und lacht)
Ah! Na siehst Du, geht doch! Nimm das gute Gefühl jetzt mit auf Deinem Heimweg und mach Dir keine unnötig schweren Gedanken. Folge Deinem Herzen und du wirst alles in rechter Weise handhaben. Also, dann bis zum nächsten mal.
Gast: Ja gerne, und danke für alles. ... Dinkelkekse sagst Du, ja? Muß ich mir merken, die waren lecker. Also, alles Gute und bis zum nächsten mal, ich rufe vorher an, meine Trommel hat nen Riß.
Ach ja? ... Ach man, jetzt haste mich aber erwischt ... Tschüß mein Lieber!
10.05.2008
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