 |
Bewusster leben...
Danach ist davor - Liebesbeziehungen -
Nachdem eine „Liebesbeziehung“ auseinander gegangen ist, tritt sehr oft ein konditioniertes Verhalten ein. Und zwar ertränken sich die einen in Selbstmitleid, andere wollen das Vergangene sobald als möglich aus dem Kopf bekommen. Zuerst genannte sind für gewöhnlich eine Weile aus dem Verkehr gezogen, oder ziehen sich selbst aus dem Verkehr. Letztere allerdings trachten nicht selten danach beim nächsten Partner endlich den richtigen zu erwischen.
In beiden Fällen gibt es äußerst selten den Prozeß des Aufarbeitens – das Danach!
Doch wäre genau das das Sinnvollste, was zu tun wäre. Gäbe es da nicht den Umstand, dass es auch mit Wahrheiten zu tun hat, mit den eigenen Wahrheiten über sich selbst. Eine Liebesbeziehung ist nicht einfach etwas, was man macht oder nicht macht, so wie mal eben ne Runde Kegeln gehen. Und doch ist es so, das sich Menschen mehr auf einen Kegelabend oder Bowling vorbereiten, als auf eine Liebesbeziehung. Anscheinend ist es allgemeiner Usus sich einfach mit jemandem zu verbinden, ohne eigentlich auf solch eine Verbindung vorbereitet zu sein. Ich meine jetzt nicht das Sexuelle, obgleich es auch in diesem Bereich etliches zu lernen gibt, bevor man Sex erlebt. Nein, vorerst möchte ich einfach mal bei dem alltäglichen bleiben. Für gewöhnlich begegnen wir jemandem, der uns gefällt, den wir gut riechen können und mit dem wir eine schöne Zeit verbringen wollen. Wobei die Häufigkeit äußerlicher Aktivitäten den Eindruck vermittelt, man passe gut zusammen. Man verstehe sich gut! Doch was ist das genau, dieses man verstehe sich gut? Könnte es auch sein, das viele gemeinsame Aktivitäten einer gemeinsamen Flucht gleichen? Die alte Beziehung wird schnell verdrängt, gerne vergessen und abgeschoben fristet sie irgendwo in einer dunklen Ecke ein einsames unbeachtetes Dasein. Geduldig wartet sie auf den Moment, wo wir uns ihr widmen, uns ihrer annehmen und mal genau hinschauen, was da eigentlich gewesen ist. Das Danach hat damals nicht stattgefunden und konnte so nie aufgearbeitet werden. Die Aufarbeitung war eine eher unerfreuliche Angelegenheit, der man sich nicht stellen wollte. Und irgendwann später bekommen wir dann die Rechnung präsentiert. Sie zeigt sich in typischen Aussagen wie: Beim nächsten Mann wird alles anders ... – Warum gerate ich immer an dieselben Typen ... – etc. Ja ist es denn ein Wunder, wenn eine vorherige Beziehung nicht aufgearbeitet wird? Nein, denn genau deswegen geschieht genau dasselbe immer wieder, nur in veränderter Form. Die Psychologie will uns glauben machen, daß es dabei unter anderem um einen Mutter- oder Vaterkomplex geht, wir zu wenig Liebe bekommen haben und uns auch für einen noch so kleinen Tropfen erniedrigen bis zum (fast) geht nicht mehr. Das tun übrigens nicht nur Frauen, auch Männer können so manches Lied davon singen. Aber mal ehrlich, wenn ich Dir sagen würde Du hättest einen Vater-/Mutterkomplex, würde es Dir wirklich helfen? Könntest Du einfach einen Schalter umlegen und sagen, „Ach so, das ist es, na dann – alles klar!“ – könntest Du das? Sicher könntest Du es sagen, doch leben kannst Du es nicht und zwar aus dem einen Grund, weil es damit eigentlich nichts zu tun hat, sondern das wirklich entscheidende dabei ist, „es“ aus dem Kopf zu nehmen und ins Herz zu tragen. Leichter gesagt als getan, keine Frage! Unsere Konzepte von dem was Liebe angeblich sein soll taugen allesamt nichts, denn sie führen stets zu Kummer und Leid. Selbst in den Romanen scheint es nie ohne Kummer und Leid auszukommen und oder gar in einen gemeinsamen Tod zu gipfeln. Und das soll dann Liebe sein? Kurzum, was uns fehlt ist die wirklich gelebte Liebe. Kein Kopfzerbrechen, unendliches Nachdenken und Grübeln über wenn’s und wie es sein könnte. Nein sicher nicht, denn hat die Liebe Einzug gehalten im Herzen und wird ihr dauerhaft „Unterkunft“ gewährt, so gibt es diese Gedanken nicht.
* * *
Thomas Stern – der Traveller
Januar 2007
|