 |
Lehrer sind auch nur Menschen ...
Tja, ob Du´s nun glaubst oder nicht, aber Lehrer-Innen sind auch nur Menschen wie Du und ich!
Und soll ich Dir was sagen, früher dachte ich, daß Lehrer-Innen aus einer Art “Fabrik” kommen würden, wo eben Lehrer-Innen “hergestellt” werden. Lustig, gell?
Mal ernsthaft, Lehrer-Innen waren für mich halt Personen, die die Schüler-Innen unterrichten und zu Hause auch nur über den zu korrigierenden Arbeiten hängen, Unterricht vorbereiten und abends im Bett lesen. Ferien? Die waren eigentlich nur für uns Schüler-Innen, eine tolle Zeit ohne Lehrer-Innen! Vor allem die Sommerferien!
Als ich dann das erste mal von der Familie eines Lehrers hörte, da war ich einfach nur erstaunt. Wie? Lehrer-Innen haben auch Kinder und einen Ehepartner? Leben so richtig in Familie? Das war zunächst ein Gedanke, mit dem ich mich erst anfreunden mußte. Wie sollte es auch anders sein, da Lehrer-Innen ja stets einem etwas beibringen wollten und sozusagen “höher” standen, als andere Personen. Doch der Gedanke, sie würden auch ein Familienleben führen war tatsächlich neu. Wobei es aber doch den einen oder anderen Lehrer-In gab, bei deren Erscheinung man unwillkürlich dachte, die sind wirklich nichts anderes als Lehrer-In, kann gar nicht anders sein. Solche Lehrer-Innen kennst Du sicherlich auch, oder? Ich meine den Typ Lehrer-In, die mit ihrer ganzen Erscheinung einfach nichts anderes sein können als Lehrer-In. Aber!
Lehrer-innen sind auch nur Menschen!
Manche sind sogar eine Art guter Kumpel, bei uns waren das meist jene, die noch im Studium steckten und sich an uns “versuchten”. An einen erinnere ich mich besonders gerne, ein recht schräger Vogel kann man sagen, denn sein etwas schußliges Auftreten, gepaart mit sichtbarer Nervosität und dem Versuch Ruhe in den Unterricht zu bringen drängten ihm die Bezeichnung “schräger Vogel” geradezu auf. Zugegeben, anfangs waren wir Schüler-Innen natürlich die Hausherren in der Klasse, da wir ja schon länger da sind. Und an diesem Hausrecht mußten sich die Neulinge erst einmal messen lassen, es begann also das traditionelle Kräftemessen. Heute bedaure ich es, die Neulinge nicht ernst genommen zu haben, mehr noch aber ihnen auch eine Gefühlswelt abzusprechen, beziehungsweise mir gar nicht bewußt zu sein, daß auch ein Lehrer-In ein empfindsames Wesen ist, genau wie Du und ich. Obwohl, wenn ich mich recht besinne, dann tat er mir doch manchmal leid, wenn’s zu bunt her ging und er dann “out of control” war. Es befiel mich dann doch irgendwie eine gewisse Scham. Übrigens, das Schamgefühl ist uns Menschen von Geburt an angelegt, ich meine damit, wann immer wir einem anderen etwas antun, was ihm/ihr nicht gut tut, dann befällt uns eine gewisse Scham vor uns selbst. Das ist noch als Kleinkind sehr ausgeprägt, deshalb sind Kleinkinder auch fast ausnahmslos bemüht, jemandem, dem es nicht so gut geht irgendwie helfen zu wollen. Ist Dir das schon mal aufgefallen, hast Du es schon beobachten können, wenn kleine Kinder spielen und eines sich verletzt oder traurig ist, wie schnell ein anderes herbei kommt, um es zu trösten? Das sind wirklich herzbewegende Momente, solch Szenerie zu beobachten. Wenn ein kleiner Junge einem anderen Kind sein Eis gibt, damit es nicht mehr traurig ist, oder ein kleines Mädchen einem anderen eine Blume überreicht, um ihm einfach etwas schönes zu geben, was es betrachten kann, sich daran erfreuen und sogleich seine Sorgen vergessen, auf daß es nicht mehr traurig ist. Doch leider verliert es sich im Laufe der weiteren Entwicklung bei den meisten Kindern. Das ist dann auch der Grund, warum so wenig Mitgefühl (auch für Lehrer-Innen) gelebt wird. Lehrer-Innen sind eben nicht, wie kleine Kinder, die ihre Gefühle offen zeigen und dann von anderen getröstet werden, sie sind eben nur Menschen.
Der moderne Mensch kennzeichnet sich eh durch mangelndes Mitgefühl aus und zwar hauptsächlich deswegen, weil er wenig Bezug zu seinen eigenen Gefühlen hat, bzw. diese nicht wirklich wahrnimmt und analysiert, also das woher, das auslösende Ereignis, etc., all dies ist ihm eher ein Buch mit sieben Siegeln. Für einen Menschen, dem seine eigene Gefühlswelt mit allem drum und dran eher fremd ist, ist es schon fast ein Wunder dann noch Mitgefühl für andere zu entwickeln, sowohl den Mit-Menschen wie allem Lebendigen gegenüber.
So läßt sich schlichtweg sagen, daß sehr viele Menschen zwar am Leben sind, jedoch kaum wirklich lebendig. Wen wundert es also, daß dieser Umstand reichlich Nahrung für menschliches Fehlverhalten bietet, für einen Mangel an Mitgefühl.
Wo waren wir? Ach ja, Lehrer-Innen sind auch nur Menschen.
Es geht im wesentlichen um Bewußtheit oder Bewußtseinserweiterung, sprich sich mehr mit dem auseinandersetzen, was einen umgibt und womit wir es zu tun haben, in Begegnungen und Ereignissen. Einfach mehr Bewußtheit an den Tag legen, sich selbst beobachten und sein Handeln hinterfragen, anstatt es einfach nur mechanisch auszuführen, ohne weiter darüber nachzudenken. Gemeint ist oder sind die Tragweiten des Handelns und Sprechens, was es bei dem anderen auslöst, welche Reaktionen es hervorruft. Spannend ist auch zu beobachten wie Menschen sich auf einmal in einem anderen Licht zeigen, wenn ihre Wunden Punkte angesprochen werden, sozusagen das große Unbekannte in Ihnen, vor dem sie sich gerne verstecken und es ebenso oder gerade vor anderen verstecken möchten.
Um es zu verdeutlichen, wäre es eine gute Übung, sich nur mal vorzustellen, daß sich auch Lehrer-Innen mit Sorgen belasten, die ihnen Kummer bereiten. Auch sie haben Gefühle, die sie nicht ignorieren sollten. Vielleicht gab es eine Unstimmigkeit in der Familie, oder der Weg zur Schule war gespickt mit Unannehmlichkeiten. Vielleicht gibt es eine Verdauungsstörung, die ja bekanntermaßen das Wohlbefinden arg beeinträchtigen kann und herbe aufs Gemüt schlägt. Unter solchen Umständen noch einen guten Unterricht hinzulegen ist dann schon eine Leistung.
Doch wehe, wenn den Lehrer/die Lehrerin eine sagen wir mal rebellische Klasse erwartet. Mal ehrlich, möchtest Du dann in seiner Haut stecken? Sicher wird es Dir ein Lachen entlocken, wenn Du das hier liest und wenn nicht, dann bist Du schon ganzes Stück weiter in Deiner Entwicklung, toll!
Bist Du jemand der gelacht hat? Nun, dann kann ich es sehr gut verstehen. Ich kenne noch das Gefühl der Überlegenheit, der eingeredeten Stärke und das es einen selbst eh nicht treffen könnte. Also was will der/die da vorne eigentlich von mir? Kann mir doch egal sein, oder so ähnlich.
Ja, was will der Lehrer-In eigentlich?
Stell Dir vor, er oder sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, nachdem er/sie viele Jahre mit dem Studium verbracht hat, nun das entsprechende Wissen und Know How an nachfolgende Schülergenerationen weiterzugeben. Das ist nicht mal eben so´n geregelter 8-Stundenjob, im Gegenteil, denn Lehrer-Innen nehmen viel mehr auf sich, indem sie auch an Wochenenden Arbeiten korrigieren, den Unterricht vorbereiten, etc. und sie nehmen es auf sich, jeden Tag erneut vor einer Meute gieriger kleiner Wölfe zu stehen, um ihnen etwas beizubringen. In der Theorie ist es noch recht einfach sich einer Klasse zu stellen, doch die Praxis lehrt einen rasch, daß da ein gewaltiger Unterschied besteht. Keine Theorie hilft einem bei der praktischen Umsetzung, bei der real erlebten Wirklichkeit mit 20-30 Schülern-Innen, von denen jeder/jede eine eigene Persönlichkeit ist, mit individuellem Charakter. Diese verschiedenen Charaktere dann geschlossen auf ein Unterrichtsthema zu lenken und dort auch zu halten ist schon was! Vielleicht hast Du ja selbst schon Erfahrungen gesammelt, wenn es darum ging mal ein Referat zu halten. Dann erlebst Du die anderen auf einmal als getrennt von Dir, denn nun bist Du der- oder diejenige, der die Aufmerksamkeit auf sich lenken möchte, auf das Thema des Referats. Doch siehe da, einige scheint es gar nicht zu interessieren und beschäftigen sich lieber mit etwas anderem. Ist schon ein unangenehmes Gefühl, wenn Du da vorne stehst und einige Dich gar nicht wahrnehmen, Dich nicht ernst nehmen oder gar abfällige Bemerkungen machen. Ja, es ist wirklich nicht schön das zu erleben. Doch Du hast es ja noch gut, denn nach dem Referat bist Du befreit. Die Lehrer sind es nicht!
Jetzt magst Du vielleicht einen Eindruck bekommen haben, was es bedeutet mehr Bewußtheit an den Tag zu legen und sich das “anschauen” was nicht sichtbar, jedoch fühlbar ist, dann dazu die eigenen Erfahrungen auch aus anderen Erlebnissen und schon ist eine gute Basis geschaffen, um Mitgefühl zu entwickeln.
Mitgefühl ist einer der wirkungsvollsten Schlüssel auf dem Weg zum wahrhaftigen Mensch-Sein. Mitgefühl zu entwickeln bringt nicht nur Dir auch allen und allem anderen, mit dem Du zutun hast Wohlbefinden, Freude bis hin zum Frieden. Denn der Friede ist es letztlich, der uns allen ein angenehmes und freudvolles Leben beschert. Wer den inneren Frieden kultiviert, sprich ihn für sich entdeckt, hegt und pflegt, der wird ihn auch im Leben praktizieren wollen, wozu dann auch das Mitgefühl zählt.
Es betrifft im übrigen nicht nur die Schüler, ebenso die Lehrer. Auch sie müssen lernen, daß ihr auch nur Menschen seid. Euch plagen auch sie Sorgen oder Unstimmigkeiten bei Euch zu Hause oder untereinander, denn gerade der absolut unnötige Wettbewerb schon im Jugendalter ist äußerst destruktiv, also zerstörerisch, schlimmsten Falls für das ganze Leben.
Es gibt keinen Wettbewerb zwischen Schülern und Lehrern, zwischen Schülern und Schülern, sowie Lehrern und Lehrern, denn ein jeglicher Wettbewerb gründet einzig auf dem Gedanken besser zu sein als jemand anderes, oder zumindest sein zu wollen. Wozu eigentlich? Ich meine, was ist damit gewonnen? Nichts, absolut Nichts, es wartet schon ein Dritter, der dann noch besser ist und so weiter ... ein schier endloser Wettbewerb mit immer neuen Mitbewerbern im Kampf um den besten Platz, den Sockel oder dergleichen. Doch schaut man sich um, dann wird man bei genauerem Hinsehen erkennen, daß jeglicher Wettbewerb eine Handvoll Gewinner feiert, doch eine ganze Schar an Verlierern einfach vergißt, sie nicht mal zur Kenntnis nimmt. Daraus entsteht ein große Unzufriedenheit (also OHNE inneren Frieden sein!), die dann im Neid ihre gierigen Zähne zeigt, um möglichst viele zu beißen. Einer beißt den anderen und am Ende bluten beide, gewonnen hat niemand, denn es gibt in Wahrheit nichts zu gewinnen, nur zu verlieren.
Der Verlust von Mitgefühl, von innerem Frieden, vom Harmoniebestreben und mehr. Gerade auch das Streben nach Harmonie ist uns von Geburt an mitgegeben, doch es wird wie so manch anderes zugeschüttet mit Zerstreuung, Ablenkungen und zeigt es sich dennoch, wird es geknebelt und weg gesperrt. Das Herz hat da wenig zu melden, weil es einfach ignoriert wird, reicht ja, wenn es als Muskel funktioniert. Versteinerte Herzen vermuten wir nur zu gern bei anderen, selten bei uns selbst. Wir stehen ja stets im Licht des Geschehens und sind über alles erhaben! Bis, ja bis es uns selbst erwischt und wir entwaffnet am Boden liegen und beinahe schockiert feststellen müssen, wir sind besiegt worden. Muß das sein? Ich denke NEIN! Es gibt auch einen anderen Weg, als den des ständigen Wettbewerbs, den des Mit-Einander, um gemeinsam ans Ziel zu gelangen, dem anderen beistehen, ihn unterstützen, für ihn dasein, denn gelangt man als einzelner am Ziel, so ist es reicht einsam dort und eher ein ungegönnter, denn ein gegönnter Platz. Die Neider warten schon auf ihre Chance, man muß also auch als Sieger ständig auf der Hut sein. Das kann auf die Dauer recht zermürbend sein. Wozu also sich dem ganzen Streß aussetzen, wenn es doch auch anders ginge? Bei all dem Wettbewerb wird lediglich ein riesiges Schlachtfeld hinterlassen, worunter nicht nur die Menschen, sondern ebenso die Umwelt, die Natur zu leiden haben. Was bitte schön, was sollte also so toll sein am Wettbewerb?
Es ist besser den Kampf aufzugeben und sich dem Frieden zu widmen.
Wie würde wohl ein friedvoller Unterricht ablaufen?
Wie würden sich sowohl Schüler-Innen, wie auch Lehrer-Innen in Ihrer Haut fühlen, wenn Harmonie und Frieden herrschte?
Wie wäre es, würde ein jeder mit Freude im Herzen zur Schule gehen können, ohne sich mit Sorgen belasten zu müssen, die einen dort erwarten könnten, oder gar mit Ängsten, weil die anderen einen traktieren wollen, einen Mobben.
Ist das wirklich ein tolles Gefühl jemand anderen “fertig” gemacht zu haben? Kann jemand wirklich behaupten, das es sich gut anfühlt, einem anderen Schaden zuzufügen? Was würde man selbst als “Opfer” empfinden?
Der ständige Wettbewerbsdruck hinterläßt reichlich Spuren, die sich im Alltag schnell wiederspiegeln, im täglichen Verhalten anderen gegenüber. Und? Wie sieht so Dein Alltag aus? Was und vor allem wie erlebst Du Deinen Tag, mit allem was und wie es so geschieht?
Tja, nicht nur Lehrer, wir ALLE sind eben ... nur Menschen.
* * *
der Traveller
Februar 2008

|