der Traveller
Thomas Stern

 

Botschaften

 

28.Dezember 1890 - South Dakota - südlicher Westen

Die US-Truppen richten unter den unbewaffneten Sioux-Indianern (120 Männer und 230 Frauen + Kinder) aus dem Pine-Ridge-Reservat am 29.Dezember 1890 ein fürchterliches Blutbad an, über 300 kommen ums Leben. Wenige Überlebende, die nach 3-4 Tagen in eine Kirche gebracht wurden, konnten, sofern sie bei Bewußtsein waren, denn Sie mußten die Tage zuvor im Freien verbringen, trotz schwerster Verwundungen, über dem Altar ein gespanntes Tuch sehen, auf dem folgende Worte standen:

Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen

Dieser Tag bricht endgültig den letzten Widerstand der Indianer und bedeutet zugleich das Ende der freien Indianer. Wounded Knee ist seit diesem Tag das Symbol für die Unterdrückung der Indianer durch die Weißen.

“Die Weißen haben uns viel versprochen, mehr,

als ich aufzählen kann,

aber gehalten haben sie nur ein Versprechen: sie schworen,

unser Land zu nehmen, und sie haben es genommen”

Red Cloud ( Häuptling der Oglala-Teton-Sioux )

 

Die Weißen aus dem Westen und gerade in Europa lernen zunehmend die Bedeutung der Ureinwohner zu schätzen. Gerade in einer Zeit wie dieser, die von Hektik, Streß und Materialismus bestimmt ist, wird die Suche nach dem Sinn des Lebens immer größer. Wir begreifen das wir bei all unserem Bemühen den Materialismus voranzutreiben, unser Seelenheil auf der Strecke geblieben ist und nun endlich fangen wir an den Wert der Ureinwohner zu erkennen. Seit langem beneiden wir schon insgeheim die Lebensweise der Indianer, ihre Naturverbundenheit und das einfache Leben. Auch haben wir Respekt vor Ihren Traditionen und Ihrer Religion. Auf unserer Suche nach uns selbst stoßen wir unwillkürlich auch auf die Weisheiten der Indianer, die schon seit Jahrhunderten im Einklang mit sich und der Natur leben. Ein Grundbestreben des Indianers ist auch ein friedvolles Miteinander. Somit sollte Wounded Knee kein Mahnmal sein, sondern vielmehr uns selbst dazu anspornen andere zu verstehen und von Ihnen zu lernen. Denn wir brauchen Sie mehr als manch Einer von uns denken mag - sie sind es, die uns jetzt dienlich sind mit Ihren Weisheiten, sie werden uns nützlich sein zu einem besseren Leben für uns selbst und somit für die Allgemeinheit.

“Alle Dinge gehören zusammen

Nicht die Menschen haben das Netz des Lebens gewoben.

Wir sind nur ein dünner Faden darin.

Was wir dem Netz antun, das tun wir uns selbst an.

Alle Dinge sind miteinander verbunden.

Alle Dinge gehören zusammen.”

Häuptling Seattle(1780-1866) vom Stamme der Duwamish

* * *

- der Traveller -

Dezember 1999

 

Literaturempfehlungen:

“Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses” / Dee Brown

Hoffman und Campe Verlag Hamburg

>>Hier wird eine Legende zerstört, der Vorhang vor bitterer Wahrheit gelüftet, nie zuvor wurden die Schrecken besser notiert als hier in der Geschichte vom Untergang des Roten Mannes. Man könnte sagen: Dies Buch ist mit Blut und Tränen geschrieben.

C.W.Ceram

* * *

“Die Indianer, meine Freunde” / Edward S.Curtis

Erinnerungen an ein verlorenes Volk - C.H.Beck Verlag

“Es war die Obsession, Zeuge zu sein, die Curtis zwang, so zu arbeiten, wie er es tat - durch die Linse seines Auges zu sehen, was immer mehr aus dem Blickfeld geriet; Zeuge der noch in Stammestracht lebenden Indianer zu sein in einem Jahrhundert, das zu Ende ging. Zur Jahrhundertwende ließ sich diese flüchtige Vision noch einfangen, wenn auch immer seltener. Curtis wollte die Schönheit einer Vergangenheit erhalten, die der weiße Mann gerade ausrottete. Zwischen 1889 und 1930 besuchte Curtis die Indianer verschiedener Stämme und Landschaften wie die Kwakiutl, Comanchen, Apachen und Cree. Seine Leidenschaft, noch zu erfassen, was verlorenging, war grenzenlos, aber gepaart mit der Erkenntnis, daß das indianische Stammesleben bald für immer ausgelöscht sein würde. Deshalb zeichnete er die Bevölkerungsentwicklung der Stämme auf, den schmerzhaften Verlust an Menschen, dezimiert durch Hunger, Krankheiten, Kriege, Völkermord und, was vielleicht am schlimmsten war,einfach durch Entkräftung in einer Zeit, die gegen sie arbeitete. Ein ehemals großes Volk - die Ureinwohner Amerikas - war im Begriff, nicht viel mehr zu hinterlassen, als den Abdruck eines Mokassins, es sei denn, irgend jemand würde die Erinnerung an sie wach halten. Curtis war sich bewußt, daß er die gesamte Geschichte der nordamerikanischen Indianer aufzeichnen mußte. Denn er glaubte - vermutlich zurecht -, daß es damals niemand anderen gab, der in der Lage gewesen wäre, eine solche Riesenaufgabe zu bewältigen.”

 

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